Die Bewegung des Pferdes ist dreidimensional. Mit jedem Schritt entsteht ein rhythmisches Bewegungsmuster in drei Ebenen:
vor–zurück, seitlich und auf–ab. Diese Impulse werden über den Pferderücken auf das Becken des Reitenden übertragen. Im Schritt entstehen dabei etwa 80–100 rhythmische Bewegungsreize pro
Minute – in einem Muster, das dem menschlichen Gangbild sehr nahekommt.
Der Körper wird dadurch in eine physiologische Bewegungsorganisation geführt. Das Becken schwingt wie beim natürlichen Gehen, die Wirbelsäule richtet sich auf, die Rumpfmuskulatur reagiert
stabilisierend. Tief liegende Muskelgruppen werden aktiviert, insbesondere im Bereich der Körpermitte. Gleichzeitig wirkt die Bewegung regulierend auf den Muskeltonus:
erhöhte Spannung kann sich reduzieren, abgeschwächte Muskulatur wird angeregt. So entsteht eine gleichzeitige Entspannung und Kräftigung verschiedener Muskelgruppen.
Die rhythmischen Bewegungsimpulse wirken nicht nur auf die Muskulatur, sondern auch auf das zentrale Nervensystem.
Über wiederkehrende, strukturierte Bewegungsmuster wird das Gehirn an koordinierte Abläufe erinnert oder neu herangeführt. Bewegungsfolgen können sich harmonisieren, Übergänge werden flüssiger, einzelne Gliedmaßen besser kontrollierbar.
Diese Form der Stimulation kann unterstützend wirken bei:
neurologischen Erkrankungen
Gangunsicherheiten
muskulären Dysbalancen
Koordinationsschwierigkeiten
Haltungsschwächen
Die kontinuierliche Reizsetzung fördert die neuronale Vernetzung und stärkt die Verbindung zwischen Wahrnehmung und Bewegung.
Während der Bewegung des Pferdes ist der Körper ständig gefordert, sich neu auszurichten.
Das Gleichgewichtssystem wird aktiviert, die Tiefensensibilität (Propriozeption) geschult. Der Körper lernt, seine Position im Raum bewusster wahrzunehmen und feiner zu steuern.
Dadurch verbessern sich:
Gleichgewicht und Standfestigkeit
Koordinationsfähigkeit
Reaktionsgeschwindigkeit
räumliche Orientierung
Bewegungsplanung
Diese Prozesse geschehen nicht isoliert, sondern in einer kontinuierlichen Anpassung an Rhythmus und Dynamik des Pferdes.
Die aufrechte Sitzposition und die rhythmische Bewegung beeinflussen auch die Atemmechanik.
Die Atmung vertieft sich häufig automatisch durch die Schwingung der Wirbelsäule und die Mobilisation des Brustkorbs. Eine freiere Atmung unterstützt wiederum:
Spannungsregulation
Stimmführung
Artikulation
logopädische Aktivierungen
Körperhaltung, Atemführung und Stimme stehen in enger Wechselwirkung.
Die Arbeit mit dem Pferd bietet hier einen natürlichen Zugang zur Integration dieser Bereiche.
Auch Bodenarbeit, Führen oder Versorgen des Pferdes wirken körperlich aktivierend:
gezielte Kraftentwicklung
bilaterale Koordination
rhythmische Bewegungsführung
taktile Wahrnehmungsreize
Stabilisierung der Körpermitte
Die Verbindung von Bewegung, Rhythmus und Eigenaktivität ermöglicht eine ganzheitliche Förderung des Bewegungsapparates.
Die körperorientierte pferdegestützte Therapie verbindet:
dreidimensionale Bewegungsimpulse
neurologische Aktivierung
Muskeltonusregulation
Gleichgewichts- und Koordinationstraining
Atem- und Haltungsintegration
Sie wirkt auf Körper und Nervensystem gleichzeitig und unterstützt eine verbesserte Bewegungsorganisation, Stabilität und Wahrnehmung.
Ein wesentlicher Bestandteil der körperorientierten Arbeit ist die sorgfältige und bewusste Auswahl des jeweils passenden Pferdes.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene befinden sich in unterschiedlichen körperlichen Entwicklungsphasen. Besonders im Wachstum reagieren Wirbelsäule, Becken, Gelenke und muskuläre Strukturen sensibel auf äußere Bewegungsimpulse.
Deshalb arbeiten wir bei jüngeren Kindern häufig mit kleineren Ponys oder Shetlandponys. Ihre Bewegungen sind kürzer, weicher und in ihrer Amplitude geringer. Die Impulse bleiben sanft, rhythmisch und altersgerecht – ohne die noch zarten, sich entwickelnden Strukturen zu überfordern.
Mit zunehmender körperlicher Reife oder bei spezifischen therapeutischen Zielsetzungen kommen größere Ponys oder Pferde zum Einsatz. Diese erzeugen weiter ausgreifende, kräftigere dreidimensionale Bewegungsimpulse. Sie können gezielt genutzt werden, um:
die Rumpfstabilität intensiver zu fördern
die Beckenbeweglichkeit zu erweitern
das Gleichgewichtssystem differenziert zu aktivieren
muskuläre Ansteuerung präziser herauszufordern
Auch das individuelle Gangbild jedes Pferdes wird bewusst berücksichtigt. Schrittfrequenz, Bewegungsweite, Schwingungsqualität und Temperament unterscheiden sich. Nicht jedes Pferd passt zu jedem Menschen – und nicht jede Bewegungsdynamik ist zu jedem Zeitpunkt sinnvoll. Die Auswahl erfolgt daher niemals schematisch, sondern individuell und mit großer Achtsamkeit.
Meine Pferde werden nicht „eingesetzt“, sondern bewusst und vorsichtig in die therapeutische Arbeit eingebunden. Ihre Belastbarkeit, ihr Charakter, ihre Tagesform und ihr Wohlbefinden werden ebenso berücksichtigt wie die körperlichen Voraussetzungen des Menschen. Im Mittelpunkt steht stets die Frage: Welcher Bewegungsimpuls unterstützt diesen Körper in seiner aktuellen Entwicklungs- oder Regenerationsphase am sinnvollsten?
So entsteht eine körperorientierte Begleitung, die wirksam, differenziert und zugleich schonend ist – angepasst an Alter, Konstitution und therapeutische Zielsetzung.
Die Begleitungen auf dem Kastanienhof finden bewusst in einem ruhigen und geschützten Rahmen statt. Termine werden so gestaltet, dass während einer therapeutischen Einheit nur wenige Menschen auf dem Hof sind und häufig der Hofraum nahezu ausschließlich den jeweiligen Klientinnen oder Familien zur Verfügung steht.
Diese besondere Atmosphäre ermöglicht eine achtsame und konzentrierte Arbeit mit den Pferden und den persönlichen Themen der Menschen, die zu uns kommen.
Gleichzeitig ist der Kastanienhof ein lebendiger Ort. Neben Einzelbegleitungen finden auch kleine Kindergruppen statt. In bestimmten Situationen kann es therapeutisch sinnvoll sein, dass eine Begleitung parallel zu einer solchen Gruppe stattfindet.
Ob ein Termin in einer besonders ruhigen oder bewusst etwas lebendigeren Hofsituation stattfindet, wird individuell abgestimmt.
Unsere Preisgestaltung berücksichtigt daher nicht nur die eigentliche therapeutische Einheit, sondern auch den bereitgestellten geschützten Rahmen des Hofes sowie Vorbereitung, fachliche Einordnung und Nachbereitung der Begleitung.
Honorar: 125 € pro Einheit (50 Min).
Für Kinder unter 6 Jahren bieten wir 30 Minuten-Einheiten für 60 Euro je Einheit an
Die Begleitung erfolgt im Einzelsetting. Gruppentermine sind selbstverständlich ebenfalls möglich.
Termine an Wochenenden oder Feiertagen sind nach individueller Vereinbarung möglich und werden gesondert berechnet.
In einzelnen Fällen können Kosten auch über Pflegekasse, Eingliederungshilfe oder über Stiftungen und Förderprogramme unterstützt werden. Sprechen Sie uns gerne an.
Die Gesamtausrichtung und Einbettung dieser Arbeit finden Sie auf der Hauptseite "Pferdegestützte Therapie"